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Akademisierungswahn – „Krise und Perspektiven beruflicher und akademischer Bildung“

Dieser Eintrag wurde geschrieben am 11. März 2016

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Zu diesem Thema referierte am 24.02.2016 der Philosoph Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin auf Einladung von Wirtschaftsförderung Bocholt und Kreishandwerkerschaft Borken in den Räumlichkeiten der Volksbank Bocholt.

Vor rund 70 Teilnehmern sprach Nida-Rümelin davon, dass nicht nur ein Studium Garant für späteren Erfolg sei, diese Vermutung beruhe auf einer falschen Bildungsideologie. Anhand von zahlreichen Statistiken untermauerte Nida-Rümelin seine These, dass Deutschland zu viele Akademiker statt Facharbeiter und Techniker ausbilden würde.

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Seine Zahlen belegten außerdem, dass ein Zusammenhang von Akademisierung und Jugendarbeitslosigkeit besteht. So habe Großbritannien zwar eine doppelt so hohe Akademisierungsquote wie Deutschland, aber auch eine mehr als doppelt so hohe Jugendarbeitslosigkeit (21 Prozent im Vergleich zu 8 Prozent in Deutschland).

Hierbei lobte Nida-Rümelin die duale Ausbildung in Deutschland und stellte klar fest, dass in Ländern mit keinem oder nur vergleichsweise geringem System der beruflichen Qualifizierung die Jugendarbeitslosigkeit deutlich höher als in Deutschland liege. In Deutschland gäbe es wie in keinem anderen Land kleine und mittelständische Unternehmen aus dem handwerklich-technischen Bereich, die hoch spezialisierte Weltmarktführer seien.

Seit 2006 habe Deutschland Milliardenbeträge in die Hochschulen investiert mit dem Ziel, möglichst viele Akademiker heranzuziehen, worauf sich die Zahl der Studienanfänger auch tatsächlich um 60 Prozent erhöht hätte. Aber rund 30 Prozent brächen ihr Studium wieder ab und viele Akademiker müssten später trotz akademischer Ausbildung außerhalb ihres eigentlichen Fachgebietes arbeiten.

Nida-Rümelin appellierte an die Schulen, den Schülern „Umgang mit Dingen und Menschen“ beizubringen und auf die Persönlichkeitsentwicklung zu achten und er kritisierte das Versagen von Schulen, wo zum Beispiel an Gymnasien das Handwerklich-Technische keine Rolle spielen würde. Auch die Eltern sollten nicht unbedingt immer alles dran setzten, dass ihre Sprösslinge unbedingt das Abitur schaffen, um dann zu studieren.

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Philosoph Prof. Dr. Dr. h.c. Julian Nida-Rümelin

Im Hinblick auf den demografischen Wandel könnten Eltern ganz entspannt sein, denn jeder würde gebraucht, insbesondere Facharbeiter. Und schon jetzt läge die niedrigste Arbeitslosenquote bei Handwerkern und Technikern.

Es handelte sich um den zweiten Handwerkerabend mit dem Schwerpunkt „Akademisierung vs. Praxis“ aus der Veranstaltungsreihe mit Impulsvorträgen rund um das Themenfeld „Zukunft des Handwerks“ und dem Motto „Strategien im Handwerk“, veranstaltet von der Wirtschaftsförderung Bocholt und der Kreishandwerkerschaft Borken mit freundlicher Unterstützung der Volksbank Bocholt eG und der Bocholter Energie- und Wasserversorgung (BEW).

Fotoquelle: Wirtschaftsförderung Bocholt

 


Dieser Eintrag wurde geschrieben am Freitag, 11. März 2016

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