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Grenzüberschreitende Ausbildung im Handwerk

Dieser Eintrag wurde geschrieben am 30. Juni 2015

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Vertreter lokaler Handwerksunternehmen, Euregio, niederländischen ROC´s, Handwerkskammer Münster und Kreishandwerkerschaft Borken kamen am 26. Juni 2015 in den Räumlichkeiten der Firma Elektroanlagen Röring GmbH in Vreden zusammen, um sich über die Möglichkeiten von grenzüberschreitender Ausbildung und Praktika auszutauschen.

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Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken, begrüßte die zahlreich erschienenen Anwesenden aus Deutschland und den Niederlanden. „Hier in der Grenzregion kommt es immer häufiger zu grenzüberschreitenden Unternehmens- und Geschäftskontakten, Grund genug, sich in Anbetracht des drohenden Fachkräftemangels über Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Ausbildung und Praktikumsdurchführung in Handwerksberufen auf beiden Seiten auszutauschen“, so Daniel Janning.

Herr Wiggers vom ROC Twente erklärte zunächst, wie die Ausbildung in den Niederlanden und speziell in den ROC´s (Regionale Opleidingen Centra), also in den Regionalen Ausbildungszentren, funktioniert. Schüler würden dort in vier verschiedenen Niveaus unterrichtet, wobei Niveau vier dem der deutschen Gesellenprüfung entspräche.
Es gäbe ein „Zwei-Lernwege-Prinzip“ mit dem vollzeitschulischen „BOL“ gleich „Berufsausbildender Lehrweg“, bei dem neben der Theorie zu 25-30 Prozent Betriebspraktika absolviert würden und dem „BBL“ gleich Berufsbegleitender Lehrweg“ mit einem rund 80-prozentigen Betriebspraktika-Anteil, bei dem an vier Tagen im Rahmen eines Betriebspraktikums gearbeitet und an einem Tag die Theorie vermittelt würde.
„Wir haben am ROC Twente ein neues Programm mit dem Ziel der Euregionalisierung der Berufsausbildung zusammengestellt und dazu suchen wir nun Partner“, ergänzte Wiggers. „Dieses strukturelle Bildungsprogram mit Aktivitäten wie z. B. Austausch, Schulbesuchen und Betriebsbesichtigungen möchten wir mit Ihnen weiterentwickeln und in verschiedenen Branchen für rund 4.000 deutsche und niederländische Schüler und Studenten aufbauen“, so Wiggers weiter. Ein großes Netzwerk würde benötigt, um das hochgesteckte Ziel der gemeinsamen euregionalen Ausbildung zu verwirklichen.

Frau Hildegard Bongert-Boekhout von der Kreishandwerkerschaft Borken brachte zunächst die drei Grundprobleme der grenzüberschreitenden Ausbildung auf den Punkt. Das seien die Sprache, denn wenige Schüler sprechen deutsch bzw. niederländisch, zum zweiten die fehlende Mobilität bei den Schülern und als drittes die fehlende gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen.

Eine Möglichkeit zur Reduzierung dieser Probleme sah Bongert-Boekhout in dem seitens der EU öffentlich geförderte Programm „ERASMUS plus“. „Bis 2020 fördert das Programm mit einem Finanzvolumen von 14,8 Mrd. Euro die grenzüberschreitende Ausbildung von Schülern, Berufsschülern, Azubis und Studenten in den Bereichen Mobilität, Flexibilität und Selbstständigkeit. Für die Sparte der Berufsausbildung ist das Programm ausgelegt für 650.000 Teilnehmer. Auslandsaufenthalt von zwei Wochen bis zu 12 Monaten werden gefördert“, so Bongert-Boekhout.

Die Anwesenden bekundeten grundsätzliches Interesse an einer grenzüberschreitenden Ausbildung oder bei Praktikumsplätzen. In der anschließende Diskussion unter den Teilnehmern wurde aber auch deutlich, dass es zunächst gilt, viele Fragen zu beantworten, wie die nach den Kosten für die Betriebe in Bezug auf Vergütung und Mindestlohn, welches Recht Anwendung findet, wie die Versicherung zu regeln wäre und die Klärung der Anerkennung der Berufsabschlüsse und Qualifikationen.

„Ich könnte mir vorstellen, dass deutsche Betriebe wegen des Fachkräftemangels bereit sind, mitzumachen“, entgegnete Janning. Ein Teilnehmer äußerte die Hoffnung, dass Jugendliche aus den Niederlanden die ganze Ausbildung hier in Deutschland absolvieren.

Die Teilnehmer vereinbarten, das gegenseitige Kennenlernen zu vertiefen und die Möglichkeiten des grenzüberschreitenden Zusammenarbeitens und der Ausbildung im Handwerk weiter auszuloten – vor allem hier im direkten Grenzraum.

Im Anschluss an das Treffen nutzten die Anwesenden die Möglichkeit einer Betriebsbesichtigung der Firmen Tischlerei und Zimmerei Tenhumberg GmbH und Elektroanlagen Röring GmbH.

 

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Dieser Eintrag wurde geschrieben am Dienstag, 30. Juni 2015

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